Kampf ist Energie und Dynamik, ist ehrlich und befreiend. Das partnerschaftliche Raufen beinhaltet das alles, ohne jedoch das Destruktive des Kampfes. Und fügt noch Spaß und Vergnügen hinzu. Man bekommt eine Idee davon, was hier mit Raufen gemeint ist, wenn man an junge Hunde denkt, die im Spiel miteinander balgen. Es geht also nicht ums Gewinnen oder Verlieren, darum, gegeneinander zu kämpfen. Raufen bedeutet vergnüglich miteinander herumzutollen, viel zu lachen – und kann herrlich wild sein. Es ist eine einvernehmliche körperliche „Auseinandersetzung“, bei der wir unsere Kraft und die unseres Gegenübers spüren können, die uns unsere Körper auf eine ganz eigene, intensive Weise erleben lässt. Wir betreten dabei einen geschützten Erfahrungsraum, in dem wir auch mit Themen, Situationen und Gefühlen experimentieren können, die sonst eher ausgeblendet werden.
Wir werden in diesem Workshop mit verschiedenen Formen und Aspekten des spielerischen Kämpfens experimentieren. Diese freundschaftlichen Konfrontationen müssen nicht immer wie Ringkämpfe aussehen (keine Sorge: an Ringkampf wird es uns nicht mangeln). Sie können aus alltäglichen Situationen heraus entstehen mit Regeln, die wir beim Herumspielen selbst erfinden – und die sich jederzeit ändern können. Aber bekommen wir diese Regeln auch immer mit? Und wenn nicht? Es gibt alles zwischen sehr intensivem Körperkontakt und dem vollkommenen Fehlen körperlichen Kontakts. Beim Raufen können wir, wie bei Kissenschlachten, Gegenstände verwenden. Und Raufen kann, wie wir erfahren werden, sehr sinnlich und ziemlich sexy sein.
Indem wir beide als Formen dynamischer körperlicher Begegnungen begreifen, werden wir Raufen aus der Perspektive der Kontaktimprovisation genauer betrachten. Vor allem werden wir mit ihrer Hilfe eine höhere Stufe der Bewusstheit erlangen, wodurch wir die Intensität zu steigern vermögen – und so unser Vergnügen. Zeit wird, neben anderen, ein grundlegendes Instrument der Erkundung sein.
Vorkenntnisse im Kampfsport oder besondere Fitness sind für den Workshop nicht erforderlich. Achten Sie aber darauf, dass Sie die grundsätzlichen gesundheitlichen Voraussetzungen für sportliche Aktivitäten erfüllen. Bitte weiche Knie- und Ellbogenschützer oder bequeme Kleidung mitbringen, die Knie und Ellbogen bedeckt.

Frank Taherkhani (geboren 1969) studierte Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaftslehre; Magisterarbeit über Vorurteile, schreibt derzeit an einer Doktorarbeit ebenfalls zu diesem Thema. Seit 1984 betreibt Frank verschiedene Kampfkünste (darunter: Karate, Jiu-Jitsu, und seit 1991 WingTsun). Er ist Lehrer für Selbstverteidigung und leitet eine eigene Kampfkunst-Schule.
Gabriela Tarcha (geboren 1981) begann mit ihren Tanz- und Theater-Studien in Brasilien bevor sie 2002 nach Europa zog, hier arbeitet sie heute als Choreographin und Performerin. 2010 erlangte Gabriela ihren Master-Abschluss in Choreographie (Dance Unlimited Arnheim); sie wohnt abwechselnd in Berlin und Köln und verfolgt derzeit ein weiterführendes Studium der Tanzwissenschaften am Kölner Zentrum für Zeitgenössischen Tanz.
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